Bild wird geladen ...

 

   
   

   

Schulkleidung gegen Markenzwang und soziale Ausgrenzung

01. November 2007

 

Der Wetteraukreis und der Butzbacher Naturtextilversender hessnatur starten mit gemeinsamen Pilotprojekt

Butzbach Soziale Ausgrenzung durch „falsche“ Kleidung – ein Problem, an deutschen Schulen, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Um der Ausgrenzung von Kindern durch das postmoderne Markendiktat entgegenzuwirken, hat der Butzbacher Naturtextilversender hessnatur mit Unterstützung des Wetterauer Schuldezernats das Pilotprojekt „Schulkleidung für Hessen“ gestartet. Mit Hilfe von gesunder und fairer Schulkleidung sollen die Weichen für ein tolerantes Miteinander gestellt, das Wir-Gefühl an hessischen Schulen gefördert und jedem Schüler die Chance auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit eingeräumt werden. Als Schirmherrin des Projekts konnte HR-Fernsehmoderatorin Miriam Deforth gewonnen werden.

 

Die ersten Schritte

Die Idee von Schulkleidung, die Menschen verbindet und somit zu Integration beiträgt, hatte hessnatur bereits im Jahr 2006. In Zusammenarbeit mit der Interkulturellen Waldorfschule Mannheim wurden erste Projekterfahrungen gesammelt und die Idee einer ökologischen und sozialen Schulkleidung angetestet. „Wir wollen mit unserer Schulkollektion keine Uniform, sondern Kleidung schaffen, die Gemeinschaft fördert, gleichzeitig aber auch Raum für Individualität lässt“, so Leonardo Langheim, Leiter des Projekts Schulkleidung bei hessnatur. „Jede Schule, Klasse und jeder einzelne Schüler soll die Möglichkeit haben, dem gemeinsamen Stil eine eigen Note zu geben“. Eine wissenschaftliche Studie der Justus-Liebig-Universität Giessen bestätigt hessnatur in seiner Idee. Sie belegt, dass sich das Sozialklima im Klassenzimmer durch Schulkleidung verbessert, unter anderem, weil Äußerlichkeiten wie das Statussymbol „Kleidung“ in den Hintergrund treten.

Studie: Besseres Sozialklima durch einheitliche Bekleidungsregeln in der Schule

 

Das Pilotprojekt mit dem Wetteraukreis entsteht 

Nach Gesprächen mit verschiedenen hessischen Kommunalpolitikern im Rahmen des Hessentags 2007 und Meinungsführern der Medien, nimmt ein Jahr später die Pilotprojekt-Idee „Schulkleidung für Hessen“ konkrete Formen an. Mit Unterstützung des Wetterauer Schuldezernats sollten politische und soziale Kräfte aktiv mit eingebunden werden. „Einheitliche Schulkleidung kann ein Weg sein, soziale Unterschiede abzubauen. Verschwinden wird die Diskrepanz zwischen viel und wenig Taschengeld, zwischen Reich und Arm auf dem Schulhof“, erhofft sich Ottmar Lich, Kreisbeigeordneter des Wetteraukreises, von dem Projekt. Schulen, die das Thema als Pioniere mit vorantreiben sollten, waren schnell gefunden: Die Gesamtschule Gedern und die Sybilla-Merian-Schule Ortenberg leisteten bereits im Vorfeld wichtige Unterstützung: Schüler wurden befragt, die Meinung der Eltern eingeholt, die hessnatur-Schulkleidung  Probe getragen und kritisch bewertet. „Die entscheidende Voraussetzung ist die Freiwilligkeit. Nur wenn Schüler, Eltern und Lehrer überzeugt sind, dass sich das Schulklima durch gleiche Kleidung spürbar verbessert, kann die Idee funktionieren“, so Ottmar Lich. Auf Empfehlung des Wetterauer Schuldezernenten kam auch der Kontakt zu der bhw Behindertenhilfe Wetteraukreis zustande. Gemeinsam mit hessnatur arbeitet man derzeit die ersten Logo-Stickereien für die Schulkleidungs-Kollektion aus. Als Schirmherrin des Projekts konnte die HR-Fernsehmoderatorin Miriam Deforth gewonnen werden. „Mein Engagement kommt nicht von ungefähr, denn ich erlebte in den 80er und 90er Jahren bereits am eigenen Leibe, wie stark teure und weniger teure Kleidung, durch Labels und Marken ge- kennzeichnet, das soziale Miteinander von Schülern stark beeinflusst“. Die gebürtige Hessin und Mutter eines Sohnes steht daher voll und ganz hinter der Idee einer verbindenden Schulkleidung.

 

Ökologische und faire Schulkleidung

hessnatur bietet Kleidung an, die vom Baumwollsamen bis zum fertigen Textil ökologisch und sozialgerecht hergestellt wird. Für die Schulkleidungs-Kollektion aus Bio-Baumwolle hat das Butzbacher Unternehmen einen eigenen Stab eingerichtet, der sich mit den Themen Design, Einkauf und Bestellung beschäftigt. Zuverlässige Lieferanten, die auf hessnatur typischem ökologischen und sozialen Niveau produzieren können, wurden gesucht. Neue, besonders straffe Konzepte für die Herstellung von Warenströmen wurden entwickelt, damit die Textilien auch bei großen Bestellmengen ohne Qualitätsverlust produziert werden können. Denn um der Selbstbestimmung der Schüler gerecht zu werden, ist eine Kollektion geplant, aus der jeder seine Kleidung gemäß seines persönlichen Geschmacks auswählen kann. Christiane Ulm, Chefdesignerin bei hessnatur, beschreibt den Entwurf der ersten Kollektion so: „Wir wollten Kleidung kreieren, die vielseitig und gut kombinierbar ist, bequem, lässig und modern.“ Das Ergebnis: Modelle aus Bio-Baumwolle, die strapazierfähig sind und die für jeden Schüler in verschiedenen Farben zur Auswahl stehen.

 

In den kommenden Monaten werden der Wetteraukreis und hessnatur direkt nach Partnern für die Schulkleidungsidee in Hessen suchen, um so gemeinsam einen Impuls für mehr soziale Gerechtigkeit in deutschen Klassenzimmern zu setzen.

 

 

Download -und Druckverion (87 kb)