

Mit der Natur im Einklang -
Baumwolle in Bio-Qualität
hessnatur setzt auf Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). Warum? Weil unter den herkömmlichen Methoden der konventionellen Landwirtschaft das Gleichgewicht in der Natur und die Gesundheit der Menschen stark beeinträchtigt werden. Wir initiierten daher in den letzten Jahren verschiedene Projekte zum ökologischen Anbau von Baumwolle und investieren auch heute noch in ein eigenes Anbauprojekt in Burkina Faso. Damit sichern wir zudem unseren Bedarf an dieser kostbaren Faser, die weltweit erst in sehr geringen Mengen verfügbar ist. Und manchmal bekommen wir sogar einen außergewöhnlichen Dank dafür.
Wie sieht die Realität im konventionellen Baumwollanbau aus?
Der Anbau der begehrtesten Naturfaser, der Baumwolle, hat mit „Natur„ kaum noch etwas zu tun. Zugaben von Kunstdünger, sowie der Anbau in Monokulturen, bieten Schädlingen und Unkräutern einen perfekten Lebensraum.
Gegen diese Bedrohung der Baumwolle greifen die Bauern zu harten Chemikalien und setzen diese von der Saat bis hin zur Ernte ein. So muss ein Baumwollfeld zwischen 8 und 25 Mal in der Saison mit giftigen Herbiziden und Insektiziden bespritzt werden – darunter auch Mittel wie Lindan und DDT, die in Deutschland längst verboten sind. Diesen „Chemiekeulen“ fallen auch Nützlinge zum Opfer. Wird die Ernte mit riesigen Pflückmaschinen eingeholt (wie z.B. in den USA), kommen erneut Chemikalien zum Einsatz. Ohne Schutzbekleidung beim Ausbringen der Pestizide sind die Bauern enormen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Zudem müssen sich viele von Ihnen stark verschulden, da die Dünge- und Pflanzenschutzmittel mitunter bis zu 50% der Produktionskosten ausmachen.
Was macht Bio-Baumwolle so kostbar?
Im kontrolliert biologischen Anbau wächst Baumwolle ganz ohne Chemie auf. Spezielles Wissen ist Voraussetzung, um die Anbaumethode an die Gegebenheiten der jeweiligen Region anzupassen. Der Anbau in Fruchtfolge - das heisst abwechselnd z.B. mit Hirse, Weizen oder Erdnüssen - und die Verwendung von Mist und Mulch als Düngemittel schonen den Ackerboden und führen ihm auf natürliche Weise Nährstoffe zu. Zum Unkrautjäten greift der Bauer zum Rechen. Ungefährliche Mittel gegen Schädlinge sind Duftlockstoffe, welche die Insekten auf die falsche Paarungs-Fährte locken und die Fortpflanzung verhindern. Auch der Einsatz von Entlaubungsmitteln erübrigt sich, da die reifen Baumwollbüschel in den meisten Anbaugebieten von Hand und nicht mit Hilfe von Maschinen gepflückt werden. Diese geschieht sehr arbeitsintensiv in etwa drei Durchgängen, bis alle Baumwollkapseln reif sind. Das Prädikat „kontrolliert biologisch angebaute Baumwolle“ wird erst dann vergeben, wenn der Boden mindestens drei Jahre lang chemiefrei kultiviert wurde. Die verfügbare Menge von Bio-Baumwolle ist mit insgesamt 14.800 Tonnen (= 0,08% des weltweiten Baumwollertrages) derzeit sehr gering. Ein Grund mehr für uns, uns für den Ausbau des kontrolliert biologischen Anbaus einzusetzen.
Wie setzt sich hessnatur für den kontrolliert biologischen Baumwollanbau ein?
Im Hinblick auf einen nachhaltig-orientierten Anbau der Baumwolle und die Gewährleistung ihrer ökologischen Qualität fördern wir seit Anfang der 90iger Jahre aktiv entsprechende Projekte. So entstand beispielsweise 1990 das weltweit erste Anbauprojekt in der Türkei, für das hessnatur 1996 mit dem „Organic Textil Award“ der Internationalen Vereinigung biologischer Landbaubewegungen (IFOAM) ausgezeichnet wurde. Heute fördert hessnatur den kontrolliert biologischen Baumwollanbau in Burkina Faso, gemeinsam mit der privaten Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas. Auch dieses Projekt wurde wieder mit einem Preis geschmückt: dem "Public Eye Award 2008"..
„Hilfe zur Selbsthilfe“, so kann man das gemeinsame Projekt umschreiben: Die Bauern erhalten Abnahmegarantien für Ihre Ernte und einen Bio-Zuschlag, der 40% über dem Preis konventioneller Baumwolle liegt. Die Berater und die Zertifizierung, die der kontrolliert biologische Anbau erfordert, werden von den Projektpartnern gestellt bzw. finanziert.
Welche Kennzeichnung garantiert dem Verbraucher Bio-Qualität?
Nur eine Bezeichnung wie beispielsweise kbA garantiert dem Verbraucher, dass die Baumwolle unter strengen ökologischen Kriterien angebaut- und weiterverarbeitet wurde. Dagegen sagt die Bezeichnung „Handgepflückt“ oder die Kennzeichnung mit dem Siegel „Ökotex Standard 100“ über die Art des Anbaus der Baumwolle und ihrer Folgebehandlung nichts aus. Fast immer stammt eine so gekennzeichnete Baumwolle aus konventionellem Anbau und wird nur von Hand geerntet, weil der Einsatz von Erntemaschinen in diesen überwiegend kleinen Anbaugebieten wesentlich kostspieliger wäre. Auch das Siegel Ökotex Standard 100 steht nicht für ökologisch angebaute Baumwolle - es birgt lediglich für die Einhaltung gewisser Schadstoff-Grenzwerte in den Fertigprodukten.
„Dabei ist bekannt, dass beispielsweise Baumwolltextilien aus der ökologisch schwerst belasteten Aralsee-Region und mit Hilfe giftiger Substanzen gefärbte Ware aus Südindien nur durch chemische Wäsche auf „Ökotex 100“ getrimmt werden“, so Rolf Schauwecker, Vorsitzender des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN).
Welche Erfolge kann hessnatur heute aufweisen?
Aufgrund unseres Engagements auf dem Gebiet des nachhaltig-orientierten Baumwollanbaus können wir mittlerweile 100% unseres reinen Baumwollsortiments (alle 100%-Baumwoll-Artikel) in kontrolliert biologischer Qualität anbieten. Wenn man bedenkt, dass alleine ein T-Shirt aus kbA-Baumwolle ca. 7qm Boden von Pestiziden und Herbiziden freihält, resultiert daraus ein beachtlicher Schutz für Mensch und Umwelt. hessnatur ist zudem aktives Mitglied des Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN) Germany, einer Initiative, deren vorrangiges Ziel sowohl die Förderung des kontrolliert biologischen Baumwollanbaus ist, als auch die Stärkung des Absatzmärkte für umwelt- und sozialverträgliche Textilien.

