
Aktiv für Integration und mehr Toleranz
Naturtextilversender hessnatur und Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Bündnis 90/Die Grünen, fördern Interkulturelle Waldorfschule Mannheim
Butzbach Fehlende Wertschätzung, Ausgrenzung und Frustration über nicht vorhandene Zukunftschancen, das sind Probleme von Menschen anderer Nationalität und Kultur in Deutschland. Besonders davon betroffen sind Kinder und Jugendliche. Um die Integration und Bildungsmöglichkeiten der Kinder aller hier lebenden Nationen zu fördern, hat der Naturtextilversender hessnatur anlässlich seines 30jährigen Bestehens ein Förderprojekt ins Leben gerufen: Gemeinsam mit Schirmherrin Renate Künast will das Butzbacher Unternehmen durch die Unterstützung der Interkulturellen Waldorfschule Mannheim aktiv einen Beitrag zur Schaffung einer integrierten, multikulturellen Gesellschaft in Deutschland leisten. „Der Migrationskonflikt wird bei Kindern und Jugendlichen am deutlichsten sichtbar, die Schwierigkeiten der pädagogischen Konzepte in unseren Schulen sind unübersehbar“, so hessnatur-Geschäftsführer Wolf Lüdge. „Vorkommnisse, wie die in der Rütli-Schule Berlin sind alarmierend, die aktuellen OECD-Berichte und Pisa-Studien zeigen: es besteht Handlungsbedarf“.
Ein engagiertes Schulkonzept setzt Zeichen
Wenn Kinder fremder Nationen heute deutsche Schulen besuchen, erleben sie häufig Ausgrenzung. Die überalterten Konzepte werden den neuen Ansprüchen einer multikulturellen Gesellschaft nicht mehr gerecht, die Kinder geraten ins Aus, erleben einen Teufelskreis aus Leistungsüberforderung, Versagensängsten, Sitzen bleiben und Schulunlust. Ein innovatives Schulkonzept in Mannheim hat sich daher bewusst das Motto „Integration statt Ausgrenzung“ auf die Fahne geschrieben, das 2003 mit der Bildung einer ersten Klasse in Mannheim, im Brennpunkt Neckarstadt-West, begann. Mehr als die Hälfte der Bewohner dieses Stadtviertels stammen aus anderen Ländern. Heute ist die Schule mit 6 Klassen, 117 Schülern und 20 engagierten Lehrern im Stadtteil etabliert. Kinder aus 12 Nationen treffen hier aufeinander und bringen täglich ihre verschiedenen Religionen und kulturellen Prägungen in den Unterricht ein. Auch die deutschen Eltern, die ihre Kinder bewusst in diese Schule schicken, leisten selbst aktive Unterstützung für das gesamte Projekt. Dieser Ansatz, sowie das internationale Kollegium aus sieben Nationen, die Ganztagsschule und die mit 25 Schülerinnen und Schülern relativ kleinen Klassen sind laut Christoph Doll, einer der Gründer und heutigen Leiter der Freien Interkulturellen Waldorfschule, die Voraussetzung für den Erfolg des Integrationsprojektes.
hessnatur-Förderprojekt sichert ein neues Schuljahr
Zum neuen Schuljahr nach den Sommerferien hat eine neue erste Klasse in Mannheim ihre Arbeit begonnen. Um diese ein Jahr lang unterrichten zu können, sind etwa 50.000 Euro notwendig. Doch die Schule steht auch im dritten Jahr nach Gründung vor finanziellen Schwierigkeiten. Staatliche Unterstützung wird neuen Schulen erst nach drei Jahren genehmigt, die Landeszuschüsse sind gering. Um den Unterricht dieser ersten Klasse zu sichern, hat hessnatur unter Schirmherrschaft von Renate Künast ein Förderprojekt ins Leben gerufen: Pro Bestellung aus dem hessnatur-Jubiläumskatalog führt der Naturtextilversender 1 Euro für das interkulturelle Schulprojekt ab. „hessnatur steht seit 30 Jahren als Pionier für ein naturgemäßes Leben. Es entspricht daher unserem unternehmerischen Handeln und ist unsere gesellschaftliche Verantwortung, die Integration und Bildungsmöglichkeiten der Kinder aller hier lebenden Nationen zu fördern“, so Wolf Lüdge. „ Hier sehen wir die Chance auf eine integrierte, multikulturelle Gesellschaft, die sich gegenseitig belebt, die Vielfältigkeit wertschätzt und dem einzelnen Menschen respektvoll entgegenkommt“.
Interview mit Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Schirmherrin des Förder Förder-Projektes Interkulture Interkulturelle lle Waldorfschule Mannheim
Aktuelle PISA-Studien und Bildungsberichte bescheinigen Deutschland schlechte Bewertungen besonders im Hinblick auf die Förderung von Migrantenkindern. Wie sehen Sie diese Situation?
Leider hält Deutschland einen traurigen Rekord: Kein anderer Industriestaat vernachlässigt die Potenziale von Kindern mit Migrationshintergrund ähnlich stark. Einerseits werden Kinder aus sozial schwachen Familien – das sind durchaus nicht nur Migrantenkinder - nicht ausreichend individuell gefördert, so dass sie schon nach der Grundschule einen erheblichen Lernrückstand haben. Andererseits trägt das mehrgliedrige, selektive deutsche Schulsystem dazu bei, dass soziale Unterschiede im Lauf der Schulzeit immer weiter verstärkt werden.
Was muss in unserem Bildungssystem geschehen, damit alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft die gleiche Chance auf Bildung haben?
Kein Kind darf zurückgelassen werden - dieses Motto muss sich in Schulkultur und Unterrichtsqualität ausdrücken. Heterogenität und Vielfalt der Schülerschaft sind eine große Chance und führen zu besseren Leistungen aller Kinder und Jugendlichen. Förderung in der Spitze und in der Breite schließt sich nicht aus. Wir wollen das frühe Aussortieren überwinden und einem integrativen Schulsystem zum Durchbruch verhelfen, in dem die Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen. Die Förderung muss aber vor der Schule beginnen: In der Kindertagesbetreuung muss die Entwicklung kindlicher Basiskompetenzen entscheidend gefördert werden. Wir setzen uns daher für einen Rechtsanspruch auf kostengünstige, ganztägige Betreuungsplätze ein – und zwar schon für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Der Bildungsauftrag in der Kindertagesbetreuung muss besser umgesetzt werden. Dazu gehört eine vertiefte pädagogische Ausbildung, die den besonderen Anforderungen im Elementarbereich etwa hinsichtlich Spracherwerb oder Interkulturalität Rechnung trägt. Und wir brauchen mehr Fachkräfte mit Migrationshintergrund.
Was hat Sie bewogen, die Schirmherrschaft für dieses Projekt zu übernehmen?
Trotz der strukturellen Integrationsdefizite gibt es überall in Deutschland Modellprojekte, die vormachen, wie Integration gelingen kann. Die Interkulturelle Waldorfschule Mannheim gehört dazu. Überzeugt haben mich vor allem der sozialintegrative und interkulturelle Ansatz sowie die aktive Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler und ihrer Eltern.

