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Eingehüllt in den Herbst

September 2008 | 

Süddeutsche Zeitung (Ausgabe 3/2008)

 

Dieser modische Herbst gibt allerlei Gelegenheit, sich wohlzufühlen in seiner zweiten Haut. Die Linien der Casualwear sind fließend, die Materialien aber edel. Das garantiert, dass die Frau auch ohne die Strenge eines Business-Hosenanzugs oder Kostüms eine gute und ernstzunehmende Figur macht. Ernst nehmen mittlerweile auch manche Designer den Wunsch ihrer Käufer, nicht nur zufrieden, sondern auch mit gutem Gewissen in den Spiegel blicken zu können - so Miguel Adrover.


Ein Visionär kehrt zurück - zur Natur

Derzeit geht, ein Raunen durch  den Modeblätterwald: Damit hätte niemand gerechnet: Miguel Adrover ist zurück – und wie! Er war Anfang 2000 der Shooting Star der amerikanischen Modeszene. Die New Yorker priesen den Mann aus Mallorca, der nie ein Designstudium absolviert hatte, als Visionär: Seine hochhandwerklichen Recycling-Kreationen aus dem Bettzeug eines verstorbenen Freundes und aus umgeschneiderten Kultstücken der Zunft (wie gewendeten Burburry-Mänteln) verwiesen darauf, dass Mode viel mehr mit Inhalten denn bloßen Hüllen zu tun haben kann. „Kleider können uns vieles beibringen und die Augen der Welt öffnen", gab er der Vogue zu Protokoll. Er, der das schwarze Haar und den Bart lang trägt wie ein indischer Guru, war der Fashion-Crowd-Meister, der aus dem Nichts kam. Und dorthin ließ sie ihn auch wieder fallen, als sich eine seiner Vorahnungen grausam zu erfüllen schien.

 

Adrover hatte bei der Präsentation seiner Kollektion „Utopia" auf der New York Fashion Week seine Modelle in Burkas und andere Anleihen an die Kultur Arabiens über den Laufsteg geschickt. Das war am 9. September 2001. Nach dem, was zwei Tage später geschah, diffamierte ihn die Presse als Sympathisanten der Terroristen. Wirtschaftlich konnte sich Adrover in New York bald nicht mehr halten. Bankrott verließ er 2004 New York und ward verschwunden.

 

Das Gerücht ging, dass er in einer Bar auf Mallorca hie und da kellnern würde. De facto gehört sie dem heute 42-Jährigen schon lange gemeinsam mit seinem Großvater. Gefunden hat ihn dort ein deutsches Unternehmen -das bisher nicht gerade für das Künstlerisch-Kreative in seiner Mode bekannt war: der Öko-Textilien-Hersteller hessnatur. Miguel Adrover gefiel auf Anhieb die Idee einer Allianz. Schließlich gehört Hess zur echten Avantgarde der Bio-Branche und zu deren absolut integersten Anbietern. Mitte September hat Adrover in der New Yorker Matthew Marks Kunstgalerie bereits Modelle der Prototypen ausgestellt, die Einfluss auf seine erste Hess-Kollektion haben werden. So mancher im Bio-Boom-Fashionbusiness sollte sich jetzt mal lieber warm anziehen.

Susanne Hermanski

 

 

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