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Deutsch-spanische Melange auf Oliven-Tuch: Miguel Adrover inmitten der Modekunst für „hessnatur" Fotos Helmut Fricke

   

Der Oekopionier

14. September 2008 | 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Recycling à la Adrover

Das ist jetzt mal eine Kombination! Da ist also ein Bauernsohn aus Mallorca, der 1991 nach New York zog, als Putzmann arbeitete, mit seiner Avantgardemode um die Jahrtausendwende die Szene verrückt machte, der alte Matratzen zu Kleidern formte und aus Louis-Vuitton-Taschen Röcke, der pleiteging, aus Manhattan flüchtete, eine Kneipe in Palma führt, seine Kappe grundsätzlich falschherum trägt und einfach weitermacht mit Kunst und Mode. Da ist ein Ökomode-Anbieter aus Butzbach in Hessen, „hessnatur", bisher nicht bekannt für experimentelles Design, dessen Geschäftsführer Wolf Lüdge aber offen ist für neue Ideen, gleichzeitig als Versandhandel auf den amerikanischen Markt will, Miguel Adrover zum Chefdesigner macht und sich über beste amerikanische Presse freut. Und da ist die Matthew Marks Gallery an der 22. Straße in Chelsea, wo Downtown-Designer gern ihre Mode zeigen, wo aber jetzt aus aufgeschütteter Erde trockene Bäume wachsen und wo an den Bäumen Kleider sprießen - aus Hess-Natur-Stoffen, von Adrover gestaltet. Seine Mode im Katalog - etwa der schön hippieske Lammfellmantel zu 800 Euro - macht aus der Natur Design. Hier unter den trockenen Bäumen in Downtown wird die Natur Kunst. Mit organischen Stoffen, soll das heißen, kann man alles anstellen. Das mit warmen Farben bemalte Tuch stammt vom Bauernhof seiner Eltern, Oliven haben sie darin früher aufgefangen. Recycling-Ideen bestimmen auch Adrovers Denken. Er möchte die Menschen aufklären über Verschwendung und Umweltverschmutzung. Manchmal bleibt das Englische in seinem Bart hängen, daher sind nicht alle Einzelheiten zu verstehen. Aber seine Aussage ist klar: „Kleider sollten zeitlos sein! Ich bin kein Modedesigner! Ich mache Kleidung unabhängig von Zeit und Ort." Da hat er es besser als der Vertrieb: Am Montag wird in den Briefkästen von 200 000 amerikanischen Haushalten der Katalog von „hessnatur" liegen. Liegt die Rücklaufquote bei zwei oder drei Prozent, ist der Einstieg im Land der begrenzten Möglichkeiten gelungen.

 

 

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