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„hessnatur" eröffnet in Schwabing eigenen Store

20. Oktober 2008 | 

tz München

 

Genau zehn Minuten hatte der schmucke Store in der Münchner Hohenzollernstraße 10 geöffnet, dann schlossen sich die Türen wieder - aus Sicherheitsgründen! Die Kunden stürmten den neuen hessnatur-Laden geradezu. Doch man wartete gern und geduldig auch draußen, schließlich sind Naturtextilien in Kombination mit Stil, Form und Glamour noch immer eine Seltenheit. Dass dieses Konzept aufgeht, beweist hessnatur seit Jahren. Jetzt hat sich das Öko-Fashion-Ünternehmen mit Miguel Adrover einen internationalen Topdesigner ins Boot geholt. Die tz sprach mit dem neuen Kreativdirektor, der zur Store-Eröffnung extra in München vorbeischaute:


Stil-Bewusstsein

Stardesigner Miguel Adrover macht grüne Mode

Es ist schön, dass Sie in die Welt der Mode zurückgekehrt sind. Warum haben Sie für Ihr Comeback ausgerechnet hessnatur gewählt?
Miguel Adrover: Die außergewöhnliche Philosophie des Unternehmens hat mich gereizt! hessnatur bezieht die natürlichen Ressourcen unseres Planeten ein und schafft daraus besondere Kleidung. Ich bin mehr als glücklich darüber, jetzt ein Teil dieses Unternehmens zu sein. Die Menschen dort haben dieselbe Seele wie ich.


Sie betrachten Kleidung als Medium sozialer Botschaften. Was ist Ihre?
Die Wirklichkeit! Ich mache keine Mode für eine bestimmte Personengruppe. Für mich sind alle Menschen gleich, unabhängig davon, ob sie arm oder reich sind, ob sie schwarz oder weiß sind. Kleidung hat für mich die Funktion eines Botschafters: Sie verbindet Menschen miteinander, bringt ihre Kulturen zusammen. Ich denke aber, jeder ist sich mit mir einig, dass Kleidung nicht auf Kosten von Erde und Menschen hergestellt werden sollte.


Was ist Ihnen an Ihren Kreationen wichtig?

Für meine Kollektion ist die natürliche Herkunft der Materialien sehr wichtig. Wenn man sich die Kleidungsstücke anschaut, erkennt man die unglaubliche Qualität der Naturstoffe - zum Beispiel die der rein biologisch angebauten Baumwolle vom hessnatur-Projekt in Burkina Faso oder die des Öko-Leinens aus Deutschland.


Mit welchem Material arbeiten Sie am liebsten?
Alle Naturfasern faszinieren mich, ich habe kein Lieblingsmaterial.

 

Was inspiriert Sie?
Das Leben, die Natur, Politik und Menschen aus anderen Kulturen...


Wen wollten Sie schon immer einmal einkleiden - Kate Moss vielleicht, George W. Bush oder doch lieber Frau Merkel?
Ich will Leuten nicht sagen, was sie anzuziehen haben. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit, jeder muss seinen Stil selbst finden. Aber wenn ich von diesen drei Personen eine einkleiden müsste, würde ich Bundeskanzlerin Angela Merkel wählen.


Wenn Sie heute die internationale Modeszene betrachten - welchen Designer finden Sie gut und wessen Mode würden Sie niemals tragen?
Ich schaue immer auf die Kleidung, nicht auf den Designer. Aber sag' niemals nie. Im Moment richte ich den Fokus vor allem auf verschiedene Styles, die ich miteinander kombiniere. Wessen Kreationen ich niemals tragen würde? Ich weiß es nicht.

 

Wie leben und arbeiten Sie?
Ich suche mein Gleichgewicht im Ungleichgewicht.


Öko-Mode wurde lange belächelt. Heute ist sie cooles Understatement. Was hat diesen Meinungswandel bewirkt?

Die Wirklichkeit! Der Klimawandel entwickelte sich vom Gerücht zum Fakt - jetzt ist Zeit zu handeln. Alle Menschen müssen dabei eine aktive Rolle übernehmen! Denn Ökologie ist der einzige Ausweg für unseren geschundenen Planeten. Es gibt keine wichtigere Botschaft als die, dass wir achtgeben müssen auf die Umwelt und die Menschen.

 

Ist die Zukunft der Mode also grün?
Nicht die Zukunft der Mode ist grün, Grün ist die einzige Zukunft.


Das ist Miguel Adrover

Er sieht nicht gerade aus wie einer, der auf dem internationalen Modeparkett mithält. Auf niemanden trifft der Spruch „Der Schein trügt!" so sehr zu. Miguel Adrover, ein gebürtiger Mallorquiner, ist preisgekrönt! Im Jahr 2000 wurde seine einzigartige Schneiderkunst und seine Vision von einer Mode mit Sendungsbewusstsein mit der Verleihung des Preises für den besten neuen Designer geehrt. Sie alle, liebe Leser, kennen sein berühmtes I Love NY-Shirt, das mittierweile Teil der Kunstsammlung des Metropolitan Museum of Art in New York ist. Der Autodidakt, mit dem feinen Gespür, für Formen und Stoffe, machte aus einer Matratze ein Kleid und dekonstruierte frech Klassiker wie den Burberry-Mantel, oder er fertigte aus einer Louis-Vuitton-Tasche kurzerhand einen Minirock! Doch 2003 war der Hype verebbt, irgendwann ging der heute 42-Jährige zurück in seine Heimat. Jetzt ist er wieder da, als Kreativdirektor von hessnatur. Für diesen Job schlug er sogar ein Angebot von Tommy Hilfiger aus! Es hat sich gelohnt, wie seine erste Kollektion beweist, die bereits auf der New York Fashion Week begeistert gefeiert wurde...

 

Der Unternehmenssteckbrief

■ Gründung: 1978 von Heinz Hess (U2006) als Versandhandel von Öko-Mode
■ Philosophie: umweit- und sozialgerechte Produktion von Naturtextilien
■ Materialien: alle Kleidungsstücke sind 100-prozentig natürlich, größtenteils Bio-Baumwolle, -Wolle, -Leinen und -Seide
Absatz: in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum, Expansion in die USA
■ Vertrieb: per Katalog, Internet www.hess-natur.com, Shops in Butzbach, Hamburg und jetzt neu in München
■ Umsatz 2007: 42 Millionen Euro

 

 

Original-Artikel lesen, (pdf-Datei, 2,7 mb)

 
 

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