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Wolf Lüdge ist seit 1. Oktober Allein-Geschäftsführer des Butzbacher Naturtextil-Anbieters hessnatur

09. Oktober 2008 | 

TextilWirtschaft (Nr. 41)

 

Der „Wollsocken“- Stratege

Wolf Lüdge beginnt das Gespräch mit einer Entschuldigung. Falls sein vier Monate alter Sohn gleich aufwache und lautstark auf sich aufmerksam mache, müsse er sich erst mal schnell kümmern. Er ist für ein paar Tage in die Rolle des alleinerziehenden Vaters geschlüpft und die sechsjährige Tochter und sein Sohn nehmen ihn so richtig in die Pflicht, erzählt er lachend.

 

Mehr als bisher in die Pflicht genommen wird Lüdge künftig auch bei der hessnatur-Textilien GmbH. Seit Monatsbeginn ist der 40-]ährige Allein-Geschäftsführer in Butzbach. Seine Geschäftsführer-Kollegin Katrin Kinza hat das Unternehmen nach zweieinhalb Jahren verlassen, um sich neuen Aufgaben zuzuwenden.

 

Dass die Verantwortung für den Naturtextil-Spezialisten nun allein auf seinen Schultern ruht, schreckt Lüdge nicht. „Ich habe eine klare Vorstellung von der Zukunft des Unternehmens und außerdem ist das auch eine Chance, hessnatur als Marke zu führen."

 

Das Unternehmen kennt der studierte Betriebswirt seit zwölf Jahren. 1996 stieg er als Mitarbeiter im Controlling von hessnatur ein. Nach drei Jahren wechselte der gebürtige Gießener dann als Berater zu PWC Deutsche Revision. Im Jahr 2000 holte ihn der mittlerweile verstorbene Firmengründer Heinz Hess als Manager für Controlling und Unternehmensentwicklung zurück. Ein Jahr später - hessnatur gehörte mittlerweile zu 100% zur Frankfurter Neckermann Versand AG - wurde Lüdge zum kaufmännischen Geschäftsführer ernannt.

 

Zu Lüdges bisherigen Aufgaben kommt jetzt auch noch die Verantwortung für Einkauf und Design. Mode selbst entwerfen, werde er allerdings nicht. „Ich sehe mich nicht als die beste Fachkraft, sondern eher als Person, die die Mitarbeiter anleitet, Dinge umzusetzen."

 

Dass Wolf Lüdge bei einem Unternehmen für Naturtextilien gelandet ist, entspricht zwar nicht ganz seinem Lebenslauf, aber sicherlich seinen Neigungen. „Ich war schon immer naturverbunden, kam zunächst aber auf privater Ebene in Kontakt mit hessnatur." Ein Öko-Hardliner sei er aber nicht, sondern blicke strategisch auf das Unternehmen. „Wir sind mit den Grünen gewachsen, aber jetzt müssen wir uns einer größeren Gruppe öffnen." Die Produkte seien hinsichtlich ökologischer und sozialer Ansprüche sehr weit entwickelt.

 

Seine Aufgabe sei es, die modischen Aspekte weiter herauszustellen und hessnatur als Marke mit einem hohen Bekanntheitsgrad zu etablieren. Ein Schritt in diese Richtung war der Einstieg in den US-Distanzhandel im Sommer mit Online-Shop und Versand per Katalog. Sehr nützlich für den US-Start sei die Kooperation mit Miguel Adrover. Die von dem Designer entworfenen DOB rundet das hessnatur-Sortiment in den Staaten ab. „Wir haben in den USA anders als in Deutschland kein Wollsocken-Image, gegen das wir ankämpfen müssen." Die hohe Akzeptanz dort, strahle auch auf Deutschland ab. Alle Ziele hat Lüdge noch nicht erreicht: „Ich will noch viel bewegen."
ULRIKE WOLLENSCHLÄGER

 

WOLF LÜDGE
■ Geboren am 7. April 1968 in Gießen
■ Ausbildung zum Bankkaufmann
■ BWL-Studium in Gießen mit Abschluss als Dipl.- Kaufmann
■ 1995 bis 1996: SG Capital Gesellschaft für Beratung und Betreuung,

   Bereich Mergers&Acquisitions
■ 1996 bis 1999: Controller bei hessnatur
■ 1999: PWC Deutsche Revision, Berater „Global Risk Management

   Solutions"
■ 2000: Als Manager bei hessnatur verantwortlich für Controlling und

    Unternehmensentwicklung
■ 2001 bis Sept. 2008: Kaufmännischer Geschäftsführer von hessnatur
■ seit Okt. 2008: Allein-Geschäftsführer von hessnatur

 

 

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